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Kirchenmenschen

Ich befinde mich in einer Schlange. Den Kopf bildet der Hostie gebende Pfarrer. St?ck f?r St?ck komme ihm n?her. Es ist kalt, denn die Messe war draussen. Vorhin beim fotografieren erntete ich fragende Blicke. Was will der denn hier? Ich passe hier nicht rein und das merkt man. Ich komme ihm n?her. Dieses Gef?hl hab ich des ?fteren. Es ist teil meiner zum Teil paranoiden Vorstellung angeglotzt zu werden. Da wird einem heiss und kalt. Jede Bewegung wird zur Qual, wird zur Zeitlupe. Wie ein schlechter Schauspieler der wirklich versucht zu Schauspielern l?ufst du gedankenversunken durch die Menge. Du bist ein Ausstellungsst?ck, ein Objekt, bestenfalls ein Gem?lde. Du wirst beurteilt, bewertet und wenn es ganz schlimm kommt interpretiert.
Ich stehe also vor dem Pfarrer. ?Der Leib Christ?. ?Amen?. Ein kurzer Blick zur in meiner Hand liegenden Hostie. Ich stecke sie langsam in den Mund. Exakt in diesem Moment f?hl ich mich verlogen, hinterh?ltig, satanisch. Im christlichen Sinne versteht sich. Ich habe kein schlechtes Gewissen. All meine S?nden waren menschlich. Ich bereue sie zum gr?ssten Teil nicht. Trotzdem hab ich diese Hostie nicht verdient. Da ich nicht danach strebe, sie verdienen zu wollen, ist dies auch nicht weiter schlimm. Ich frage mich wie viele Leute wohl dasselbe f?hlten bei der Einnahme dieser ?heiligen? Speise. Nicht viele vermutlich. Das deprimiert mich. Es ist verlogen, heuchlerisch, denn die haben die Hostie genauso wenig verdient.. Die Leute fangen an zu singen. Gloria gloria irgendwas. Ich versinke in Gedanken. Wie konnte es soweit kommen? Hier, seht ihr, hier stehe ich als 12 j?hriger in der Kirche. Ihr findet mein weisses gewand komisch und wieso ich mit einer verdammtem Riesenkerze vorne beim Altar stehe? Naja, ich bin Ministrant. Sozusagen die Azubis Gottes. Diesen Job machte so um die 5 Jahre. Drei Pfarrer hab ich ?berlebt, im metaphorischen Sinne. Es machte mir erstaunlicherweise spass. Wie ein Engel zwirbelte ich vor dem Altarbereich umher und schenkte Wein und Wasser ein und zog mit meinem Opfersack den Leuten das Geld aus der Tasche. Doch der Engel sollte st?rzen.
Wir fuhren mit der ganzen Ministranten-Gang nach Assisi. Dort lebt n?mlich der Franz und der ist ein Heiliger. Satan fuhr jedoch auch mit. Ich war damals 16, sah aber aus wie 12. Doch skrupellos verkauften mir die italienischen H?ndler Schn?pse. Und noch mehr: Sie luden mich jeweils sogar zu einer kurzen Degustation ein. Erfreut nahm ich dies zur Kenntnis und trank. Ich zog von Laden zu Laden und degustierte. An einem Kiosk in Assisi kaufte ich mir schlussendlich ein Alkopop. Das Highlight des Tages. Ich trank es und war innerhalb von 20 Minuten richtig sch?n angetrunken. Mein erster Suff. Cool. Ich torkelte zu meinem Kumpel aufs Hotelzimmer. Dort angekommen wurde ich ?berm?tig und begann mit ihm zu Raufen. Die W?nde des Zimmers waren aus Gips und schneeweiss. Ich behielt meine schwarz besohlten Schuhe an. Nach einst?ndiger Rauferei war das Zimmer schwarz bemalt. ?berall Striemen, Streifen und Abdr?cke. Panik. Wir versuchten mit warmen Wasser und Handt?chern die Streifen zu entfernen. Nach 30 Minuten erkannten wir, dass die vorherige Farbe des Zimmers blau war. Yeah. Das erste Hotelzimmer verunstaltet. Rockstar. Das war es also. Satan hatte mich. Und das im Ministrantenlager.
Ein ?Der Herr ist mit dir? aus dem vor mir stehenden Lautsprecher holt mich aus den Gedanken. Reflexartig antworte ich: ?..und mit deinem Geiste. Amen?. Ich muss zur Redaktion. Denn schliesslich muss ich ja ?ber die mich anstarrenden Menschen schreiben. Rollentausch. Komisches Gef?hl.

17.1.06 18:54





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